Sei Du mein sicherer Schirm

Claudia Knabe
Feb 17, 2025Von Claudia Knabe

Wer bist Du? Wieso sicher? Und was für ein Schirm soll das sein?

Ich singe diese Textzeile im Gebet und suche nach Vertrauen in mir. Es will sich nicht einstellen. Für kurze Momente erhasche ich es, spüre, wie es sich anfühlen könnte, mich sicher zu fühlen… dann ist es wieder davon.

Das kenn ich gar nicht von mir. Eher von anderen Menschen. Menschen, denen ich manchmal Mut zuspreche, wenn ihnen das Vertrauen verloren gegangen ist. Das klingt so leicht. Aber ich sage nicht: das ist halb so schlimm, mach dir keine Sorgen. Meistens sage ich sowas nicht. Weil ich weiß, dass es nichts nützt. Es bedeutet ja nur: ich nehme deine Angst nicht ernst. 

Ich möchte deine Ängste nicht ignorieren. Vielleicht kann ich manchmal so ein sicherer Schirm sein. Am liebsten ein bunter. Der zaubert dir ein Lächeln ins Gesicht, wenn auch nur kurz. Wie kann jemand so dreist sein und einen Schirm voller Farben in die schwarz-weiße Welt halten? Du lächelst kurz überrascht, dann navigierst du zwischen Scham und Lebenslust hin und her. 

Ich will, dass ein kräftiger Windstoß genau unter unseren Schirm bläst. Wir würden uns festhalten und losfliegen! Dann könnten den ganzen Mist mal von oben sehen. Aus sicherer Entfernung. Ich glaub, die brauchen wir. So mittendrin im Grau ist jetzt zu viel. Zu viel von dem, was mir Vertrauen nimmt. Da kann ich dir kein Schirm sein. Oder nur ein kleiner Knirps. Aber der hält uns nicht so sicher. 

Du. Ich glaub, was wir jetzt brauchen ist ein Du. Ein DU, das uns mit Leichtigkeit lachend zurufen kann: Von hier oben seh ich’s besser – alles halb so wild! Die Welt ist bunt und wird es bleiben. Kommt mit und schaut euch das an!

Und dann fliegen wir los, mit dem sicheren Schirm vom DU und sehen: Wow, so viele bunte Schirme!